Warum du keine Entwässerung durchführen solltest

Autor: Johannes Joßberger

Das Ziel eines Peak Week Protokolls ist es, möglichst viel Wasser und Kohlenhydrate in die Muskelzellen zu schleusen, um volle Muskelbäuche mit papierdünner Haut und einer möglichst starken Vaskularität am Wettkampftag zu präsentieren.

Viele Wettbewerber erhoffen sich durch die Manipulation des Wasser-Elektrolyt-Haushaltes einen „trockenen“ Look und den plötzlichen Verlust des „gehaltenen Wassers“. Dabei setzen sich viele Athleten durch die extreme Restriktion von Salz und Flüssigkeit unmittelbar vor dem Wettkampf oft unbewussten Risiken aus.

Viele Coaches spielen mit der Gesundheit ihrer Klienten, indem auf Salz und Wasser für mehrere Stunden oder sogar Tage verzichtet wird.

Von der mehrtägigen Peaking Phase werden regelrecht wundersame, körperliche Veränderungen erwartet. Meist ist der Körperfettanteil der Athleten schlicht und einfach zu hoch, aufgrund einer zu kurzen Vorbereitungsphase und einer schlechten Diätplanung.

Das Eingreifen in den Wasser-Elektrolyt-Haushalt führt selten zu einem signifikanten Körperfettverlust, noch zu einer Reduktion des subkutanen Wassergehalts.

Der Körper strebt stets ein Gleichgewicht (Homöostase) an, dies gilt auch für den Elektrolyt- und Flüssigkeitsgehalt im intra- und extrazellulären Raum (Verhältnis: 70:30). Das angestrebte Gleichgewicht der Ionen- und Flüssigkeitskonzentration wird vom Organismus penibel reguliert.

Verzichtet man auf Salz und Wasser, wird das Hormon Aldosteron ausgeschüttet. Aldosteron bewirkt, dass vermehrt Salz aus der Niere zurückgehalten wird, um den Natriumgehalt der Zellflüssigkeit stabil zu halten.

Zusätzlich wird durch eine Reduktion des Gesamtkörperwassers weniger Harnstoff über den Urin abgegeben und mehr Flüssigkeit über die Niere rückresorbiert. Der gegenteilige Effekt tritt somit ein.

Statt Wasser unterhalb der Haut zu verlieren, wird mehr Wasser im Körper gehalten. Das überschüssige Wasser lagert sich dabei durch eine Verschiebung des Natrium-Kalium-Verhältnisses auch noch größtenteils unterhalb der Haut an.

Neben dem zusätzlichen Stress auf den Körper in einem bereits ausgezehrten Zustand, sofern ein geringer Körperfettanteil erreicht wurde, können die Kohlenhydrate in Abwesenheit von ausreichend Wasser nicht in die Glykogenspeicher der Skelettmuskulatur eingeschleust werden (1g Glykogen bindet etwa 3-4g Wasser).

Das Aufladen mit Kohlenhydraten kann nur erfolgreich vollzogen werden, wenn ausreichend Salz und Flüssigkeit zur Verfügung stehen. Glukosetransporter im Dünndarm sind natriumabhängig und zuständig für die Absorption von den zu Glukose zerlegten Kohlenhydraten. Eine verringerte Salzzufuhr resultiert in einer verringerten Aufnahme von Glukose und verursacht zudem eine Ansammlung von Flüssigkeit im Magen-Darmtrakt (Blähbauch).

Zudem beeinflusst die Flüssigkeitsbalance das Blutvolumen sowie den Blutdruck. Dies erklärt die Abwesenheit eines Pumps vieler Wettbewerber, die auf Salz und Wasser verzichten. Außerdem erschwert der dehydrierte Zustand ungemein das korrekte Einnehmen und Halten der Posen, die Flüssigkeitszufuhr sollte am Wettkampftag tendenziell sogar höher liegen, da das Posing mit starkem Flüssigkeitsverlust verbunden ist.

Zudem wirken die Muskeln aufgrund der fehlenden Flüssigkeit in den Muskelzellen weniger „voll“ und vaskulär. Ein möglichst hohes Flüssigkeitsvolumen innerhalb der Muskelzellen sollte angestrebt werden, um so durch die größere Zellmasse eine stärker gespannte Haut zu ermöglichen und die Gefäße stärker zur Geltung zu bringen.

Häufig lässt sich beobachten, dass Athleten am Tag nach dem Wettkampf nach einigen Mahlzeiten, ausreichend Salz und Wasser, ein deutlich verbessertes Erscheinungsbild aufweisen. Um die gewünschte Optik zu erreichen sollte vielmehr darauf geachtet werden, in den letzten Tagen vor dem Wettkampf eine konstante Flüssigkeits- und Salzzufuhr zu gewährleisten.

Das Peaking bewirkt allgemein keine Wunder, sondern hilft dem Athleten lediglich, seinen niedrigen Körperfettanteil mittels vollen Glykogenspeicher in ein eindrucksvolles Gesamtpaket zu verpacken.

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Dein Team von APM

Quellen:

[1] McArdle, D. (2014), Exercise Physiology: Nutrition, Energy, and Human Performance. Lippincott Raven, Edition: 00008.

[2] American College of Sports Medicine (2012), Advanced Exercise Physiology.

[3] Olsson, K. and Saltin, B. (1970), Variation in Total Body Water with Muscle Glycogen Changes in Man. Acta Physiologica Scandinavica, 80: 11-18.

[4] Andersen RE, Barlett SJ, Morgan GD, Brownell KD (1995), Weight loss, psychological, and nutritional patterns in competitive male bodybuilders. Int J Eat Disord, 18:49–57.

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